Transition – Was steckt dahinter? Teil 2

Bild von Transitionculture.org

Als ich auf die Transition Bewegung aufmerksam geworden bin, war ich erst einmal sehr skeptisch muss ich sagen, da bei mir sehr schnell die „Öko-Lampe“ angeht. „Wieder ein paar Öko-Faschisten, die die Welt verändern wollen…“ sind da sehr schnell vorgefertigte Sätze, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Da gab es mal ein paar Grüne Idealisten, die es sogar aus dem Stadium der reinen Bewegung heraus geschafft haben sich politisch engagierten, eine Partei gründeten und auch den Zuspruch einer breiten Masse bekamen. Ein paar Jahre später verabschiedeten sie die Hartz-Gesetze, schickten unsere Soldaten in den Krieg in Afghanistan und leben einen Lebensstil, der alles andere als „Grün“ ist. Es ist eben der grundfalsche Ansatz den Problemen Peak Oil, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit begegnen zu wollen. Die Transition Initiative ist ein komplett anderer Ansatz. Es gibt keine „Führer“ oder „Leithammel“ die den Schafen sagen was sie zu tun und zu lassen haben.

Peak Oil wird, wie ich es in Teil 1 zu dieser Serie andeutete, unsere Art zu wirtschaften und zu leben derart umwälzen, wie wir es uns jetzt noch nicht vorstellen können oder wollen. Genau mit diesem Wissen über die globalen Zusammenhänge fangen Menschen an lokal etwas zu verändern. Nicht von oben herab sondern von unten hinauf. Jetzt könnte man argumentieren, dass man als Einzelner nur einen verschwindenden Teil dazu beitragen kann und das Tropfen auf heiße Steine nicht sinnvoll sind doch die Transition Idee geht davon aus, dass man mit dem Anwenden von Prinzipien und dem praktizieren einer Wandlung hin zur Nachhaltigkeit einen Nachahmungs-Effekt auslösen werden. In der Regel fängt es mit einem Menschen an. Das Ziel vor Augen, daran zu arbeiten eine Energiewende herbei zu führen. Dabei wird versucht andere Leute zu inspirieren und zum Nachahmen anzuregen. Vor diesem Hintergrund kann sehr schnell ein „Schneeballeffekt“ eintreten und kann vom „Tropfen auf den heißen Stein“ zu einem signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit beitragen.

Grundlagen – am Anfang steht die Erkenntnis

Um das Thema Transition zu verstehen ist es notwendig gewisse Dinge im Vorfeld verstanden zu haben und sich deren Folgen bewusst zu sein. Dies ist der Anfang jeglicher Transition Initiative und sollte von jedem, der anfängt zu agieren verstanden worden sein.

  • Klimawandel und Peak Oil verlangen sofortiges Handeln
  • Das Leben auf einer niedrigeren Energiebasis ist unvermeidlich und es ist besser sich darauf vorzubereiten als plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden
  • Die industrialisierte Welt hat ihre Fähigkeiten robust gegenüber Energieengpässen zu sein verloren
  • Wir müssen handeln und zwar jetzt und zusammen
  • Bei Betrachten der Weltwirtschaft und ihrem Hunger nach Energie und Rohstoffen und im Zusammenhang physikalischer Gesetzmäßigkeiten ist das unendliche Wachstum in einer endlichen Welt einfach nicht möglich
  • Die Menschheit hat beim Beschreiten der Energiekurve nach oben in den letzten 150 Jahren einen immensen Erfindungsreichtum und Intelligenz bewiesen und es besteht kein Grund warum wir diese Qualitäten bei Abschreiten des „Energiebergs“ nicht auch nutzen sollten.
  • Wenn wir rechtzeitig planen und handeln, unsere Kreativität und Zusammenarbeit dazu nutzen diesen Geist innerhalb unserer lokaler Gruppen zu entfalten, können wir eine Zukunft bauen, die viel mehr sein kann, ausfüllend und bereichernd, die deutlich nachhaltiger mit der Umwelt umgeht, als unser bisheriger Lebensstil.

Ist man sich dieser Dinge bewusst, können Maßnahmen ergriffen werden um an einer besseren Zukunft zu bauen. Die Vordenker der Bewegung haben 12 Punkte ausgemacht, die eine Initiative beschreiten sollte um wirklich nachhaltig Dinge zu verändern. Diese Schritte sollen kein Gesetz darstellen. Durch die Vielschichtigkeit der Gruppen und Projekte werden diese in unterschiedlicher Art ausgeprägt sein. Manche werden vielleicht verworfen und andere hinzu kommen. Die 12 Schritte einer Transition Initiative kommen im nächsten Teil der Serie.

Bloß warum gibt es jetzt wieder eine „Öko-Bewegung“? Haben wir nicht schon genügend Projekte, die ökologisch und nachhaltig sind? Brauchen wir schon wieder etwas „Neues“?

Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen. Es gibt mittlerweile Dörfer, die sich ihre elektrische Energie und ihren Wärmebedarf selbst bereitstellen. Da gibt es ein Dorf, das macht aus Biomasse Strom und Wärme, verteilt diese Energie an die Häuser im Dorf. Ich hab irgendwo aufgeschnappt, dass für 1000 Leute ungefähr 350ha Ackerland mit Pflanzen für den Biotreibstoff bereit stehen müssen sowie ca. 250ha Wald. Rechnet man das einfach mal auf die Landbevölkerung in Deutschland hoch (weniger als 15%) wäre fast die gesamte Ackerfläche und die Hälfte der Waldfläche Deutschlands nötig um diese zu versorgen. Und das nur mit Strom und Wärme. Da sind die Leute noch keinen Meter mit ihrem Auto gefahren…

Die Konsumgesellschaft wird es nicht schaffen ihren Energiebedarf mit erneuerbaren Energien zu decken, auf jeden Fall nicht in absehbarer Zukunft. Leider ist aber in absehbarer Zukunft das Öl alle oder so exorbitant teuer, dass es sich keiner mehr leisten kann, dass es ein Umdenken erfordert. Es muss einen gesellschaftlichen Wandel geben, der mit deutlich weniger Energie klar kommt und wenn man sagt deutlich dann meint es <10%. Genau aus diesem Grund gibt es diese Bewegung. Sie hat zum Ziel deutlich weniger Primärenergie zu nutzen. Dabei geht es primär um Regionalität, das Leben in kleinen Gemeinschaften und einem hohen Maß an Selbstversorgung. Jede Möhre, die im eigenen Garten wächst und dann verzehrt wird, muss nicht auf irgendeiner Farm mit vielfältigen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Düngemitteln (alles aus Öl versteht sich) gezogen werden um dann mit großem Gerät geerntet, versandt und gelagert werden nur um dann in der Gemüseabteilung des Supermarkts zu verrotten sondern wird vom Verbraucher gezogen, geerntet und verzehrt ohne auch nur eine Kilowattstunde Energie „verbraucht“ zu haben. Kombiniert mit den vielfältigen sozialen Aspekten die diese Lebensweise bereit hält, versucht die Transition Bewegung ein ganzheitliches Lebensmodell darzustellen. Dabei wird sehr großer Wert darauf gelegt, dass es individuell immer unterschiedlich ist, wie sich „Transition“ äußert. Es gibt keinen Masterplan für ein Dorf oder eine Stadt, wie sie die Ziele erreichen sondern es ist ein Ansatz mit dem Menschen losgehen können um etwas zu verändern.

Meiner Meinung nach ist der Ansatz unseren Energieverbrauch drastisch zu reduzieren der einzige Ansatz nachhaltig eine Energierevolution herbei zu führen. Mit reinen Effizienzsteigerungen werden wir dies nicht schaffen. Alleine das tolle Vorzeigeprojekt „Desertec“ propagiert eine 15%ige Versorgung Europas mit Strom bis zum Jahr 2050. Da sieht man, was überhaupt möglich sein kann und wird, wenn man den Ausbau erneuerbarer Energien realistisch sieht.

Transition Serie:

Teil 1: Transition Town ein Modell der Zukunft
Teil 2: Transition – Was steckt dahinter?
Teil 3: Transition – 12 Schritte zu beschreiten

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