Diese Frage habe ich mir in den letzten Wochen immer wieder gestellt und komme zum Ergebnis, dass es einem vielleicht nicht unmittelbar nützt aber durchaus nützlich ist. Es wird nicht von heute auf morgen kein Öl mehr geben und wie ihr wisst bin ich sowieso nicht davon überzeugt, dass das Öl überhaupt einmal wirklich alle sein wird aber es wird in absehbarer Zeit zu einer Verknappung von Erdöl kommen und demnach zu einem rasanten Preisanstieg dieser Ressource. Die Spekulationen darauf werden sicherlich ihr übriges tun sodass wir in nicht allzu ferner Zukunft die Höchststände beim Öl wieder sehen werden. Vielleicht haben wir Glück und der Umrechnungskurs des Euro gegen den Dollar (so es den Euro dann noch gibt) ist gnädig mit uns und erleichtert uns die Sache ein klein wenig doch wenn, wie manche munkeln eine Dollar/Euro Parität erreicht werden soll und dort auch gehalten wird, dann werden wir wohl die längste Zeit eine 1 vorm Komma bei den Benzinpreisen pro Liter gesehen haben.
Diese Preise werden uns nicht umbringen wird der eine oder andere sagen doch leider, und deswegen wird immer wieder auf Öl geschaut, werden sich die meisten anderen Güter auch verteuern, denn in nahezu jedem Produkt, was wir kaufen ist ein Anteil Öl enthalten. Und so wird das Leben für uns zumindest einfach nur teurer. Solange man auf große Fuß lebt, kann man immer noch das eine oder andere streichen und muss sich in seinem Lebensstil nicht einschränken doch es gibt mittlerweile viele, die nicht mehr wirklich streichen können. Mal davon abgesehen, dass unsere Frau Merkel denjenigen jetzt auch noch wieder ein Stück vom rationierten Brot wegnehmen will. Das wird auf die Dauer nicht gut gehen und man kann nur hoffen, dass die Wirtschaften nicht so schnell wieder in Fahrt kommen, damit sich der Mehrverbrauch an Öl in Grenzen halten wird.
Ich will aber zum Punkt kommen inwieweit es nützlich ist dies zu wissen.
Menschen, die unvorbereitet mit einer Situation konfrontiert werden, reagieren häufig aufgrund von Erfahrungen und Intuition. Dies ist in den meisten Fällen völlig in Ordnung und auch gut so. Bei Situationen, die völlig neu für sie sind, kann es aber zu falschen Entscheidungen kommen, die sich verheerend auf die Zukunft auswirken können. Ein kleines Beispiel: Klaus Fritz arbeitet 100km entfernt in einer Fabrik. Da die Auftragslage in den letzten Jahren immer wieder schwankte wurde immer wieder entlassen und wieder eingestellt. Eine gängige Praxis bei Unternehmen mittlerweile. Der Benzinpreis steigt auf 2,50€ und der Firma geht es wieder einmal schlecht. Herr Fritz wird wieder alljährlich zur arbeitsfreien Saison entlassen und bekommt gesagt, dass er ja in 4 Monaten wieder eingestellt wird. Er macht seine gewohnten Gänge zu Arbeitsamt und so weiter. Nach 5 Monaten hat er immer noch nichts von seiner Firma gehört. Der Winter war hart und er musste noch mal Öl bestellen, traute seinen Augen nicht als für 1000 Liter Öl 1500€ fällig waren und ruft entnervt bei seiner Firma an, wann denn endlich wieder eingestellt würde. Diese Leute sagen ihm aber, dass die Aufträge ausbleiben, weil die Firma die Preise erhöhen musste, weil die Energie und Transportkosten zu hoch geworden waren und sie ihn nicht mehr einstellen könnten.
Mit dieser Aussage fängt Klaus Fritz an sich hinzusetzen und Bewerbungen zu schreiben. Leider hat Herr Fritz seit 15 Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben und muss sich jetzt erst einmal mit dem Thema beschäftigen. Firmen zu finden ist auch nicht so leicht. Nach 150 Bewerbungen, 20 Einladungen zum Vorstellungsgespräch, 100 Absagen und 50 Firmen, die sich gar nicht melden, setzen die Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung aus und Herr Fritz geht zum Sozialamt, bei dem man ihm sagt, dass sein Haus zu groß sei für ihn, das Auto zu teuer und er noch Geld auf dem Konto hätte, dass er noch verbrauchen müsste. Wie es weiter geht, brauche ich glaube ich in diesem Fall nicht weiter erläutern.
Was ich damit sagen will. Hätte Herr Fritz zumindest eine Vorahnung gehabt, dass es wegen der hohen Ölpreise eventuell Probleme in seiner Firma geben könnte, hätte er ein halbes Jahr Vorlauf gehabt um zu reagieren und sich eine andere Arbeit zu suchen. Er hat reagiert wie immer und hat somit eine verheerende Entscheidung für seine Zukunft getroffen.
Es ist vielleicht ein krasses Beispiel, was aber anschaulich verdeutlicht, dass es einem durchaus nützlich sein kann, Dinge im vornherein abschätzen zu können und Situationen umfassender bewerten zu können. Und genau darauf will ich heraus. Wenn man weiß, inwieweit Peak Oil Einfluss nehmen kann auf Wirtschaft, Transportwesen und ganz direkt auf einen selbst, kann schon im Vorfeld Aktionen einleiten, die einem das Leben leichter machen, wenn man auf einmal mit den Problemen konfrontiert wird. Eine Garantie, dass man völlig unbeschadet aus solchen Situationen heraus kommt hat man sowieso nicht aber die Chancen können doch erheblich steigen.
Nützt einem eigentlich das Wissen über Peak Oil?
Posted by samuel on Juni 9th, 2010
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Hallo


In der Tat, “ein krasses Beispiel”. Trotzdem leuchtet mir noch nicht ein, warum ich unbedingt wissen sollte, ob nun morgen oder erst 2015 oder vielleicht schon vor 3 Jahren der Peak Oil war bzw. kommt?
Wichtiger ist meines Erachtens, schon jetzt nachhaltiger zu leben, regionale Kreisläufe zu nutzen und andere Leute dazu anzustiften.
H.R.Fritz
Sehr geehrter Herr Fritz
Lassen sie mich noch ein anderes Beispiel bringen. Sie haben ein Auto und wissen, dass sie ihr Leben lang mit diesem Auto auskommen müssen. Nach Jahren des exzessiven fahrens werden die Reparaturen immer häufiger. Erst waren es nur die Bremsen, jetzt auch Stoßdämpfer und Auspuff. Sie fangen an sich Gedanken zu machen wie lange man überhaupt noch mit dem Auto fahren kann oder wann die Reparaturkosten den Nutzen des Autos auffressen werden.
Es gibt mehrere Handlungsmöglichkeiten. 1. alles bleibt wie es ist und irgendwann fällt das Auto auseinander und sie stehen auf einmal ohne Auto da. 2. sie reduzieren ihre Wege auf ein Minimum um so lange wie möglich etwas vom Auto zu haben. 3. Sie stellen sich sofort um, kaufen ein Fahrrad, trainieren sich selbst und werden so überhaupt nicht von einem Defekt überrascht.
Die Frage ist nicht wann das Auto kaputt geht sondern einfach “das es kaputt geht”. Es wird irgendwann einen Punkt geben an dem es sich nicht mehr lohnen wird das Auto zu reparieren und dann muss man etwas “anderes” gefunden haben um den Verlust zu ersetzen oder einfach nicht mehr darauf angewiesen sein.
Übertragen auf Peak Oil ist es nicht so wichtig den genauen Zeitpunkt zu kennen auch wenn ich zumindest beim konventionellen Erdöl der Meinung bin, dass wir den Punkt schon überschritten haben. Allein das Wissen, “das es geschieht” sollte Menschen dazu anregen über ihren Lebensstil nachzudenken.
Wenn man sich einmal vor Augen führt wie abhängig man vom Erdöl ist, dann sollten die Alarmglocken läuten. Die Frage, die sich mir stellt ist, wie schnell es gehen wird. Ich glaube kaum, dass China, Indien, Brasilien usw. ihren aktuellen Verbrauchszuwachs bremsen werden. Dies wird sich zwangsläufig in höheren Preisen niederschlagen egal ob in Deutschland ein paar Windspargel aufgestellt oder Siliziumplatten aufs Dach genagelt werden. Wird der Preisanstieg langsam vonstatten gehen, wird der Schock nicht allzu groß werden und wir werden uns daran gewöhnen auf gewissen Luxus zu verzichten und eine Menge Arbeitslose zu haben, da die Wirtschaft nicht mehr so in Tritt kommt. Wird der Preisanstieg schnell gehen (im Mittel vielleicht 10-20€/(bbl *a)), dann werden wir ins kalte Wasser geworfen und ich möchte mir keine Vorstellungen machen, was dann passiert. Manche horten aus diesem Grund ja schon gewisse Stahlerzeugnisse zur Verwendung in Notsituationen.
Das es wichtig ist, jetzt schon nachhaltiger zu leben und regionale Kreisläufe zu nutzen steht außer Frage nur sollte das mit dem anstiften der Menschen noch deutlich stärker betrieben werden, denn jeder der nicht angestiftet ist, kommt eventuell auch auf dumme Ideen, wenn er im Supermarkt seine Gewohnheiten nicht mehr befriedigen kann.
Meine große Hoffnung liegt darain, dass wir noch ein wenig Zeit haben und die Wachstumsmärke nicht so schnell wachsen, dann kann das Problem Peak Oil und dessen Relevanz für jeden persönlich noch ein wenig bekannt gemacht werden – egal ob der Punkt schon überschritten oder noch vor uns liegt.