Transition – 7 Gründe gegen einen Start einer Initiative – Teil 4

Man kennt die Hintergründe bezüglich Peak Oil und unseres Energieverbrauchs. Man weiß, dass man eigentlich zu viel Energie verbraucht und von dieser „billigen Arbeitskraft“ abhängig ist, und weiß dass man etwas tun sollte um diesem Umstand zu ändern. Warum nicht ein schon bewährtes Mittel, wie die Transition Initiative aufgreifen und anfangen in diesem Rahmen etwas zu tun?

Heute möchte ich die 7 Punkte vorstellen, die Rob Hopkins in seinem Energiewende Handbuch anführt, die die gängigen Gründe sind warum sich Menschen doch nicht inspirieren lassen und den Schritt wagen die Initiative zu ergreifen und Transition zu praktizieren.

Sicherlich ist es nicht einfach, einfach anzufangen ob der mannigfaltigen Problemstellungen, die sich einem auftun. Wo fängt man an? Was sind die dringendsten Probleme? Wie mache ich weiter? Genau durch diese Fragestellungen werden oft folgende Gründe angeführt, die dann doch potentiellen Gründern den Wind aus den Segeln nehmen. Folgend nun die Punkte mit jeweils einer kleinen Erklärung warum dieser Punkt kein Hinderungsgrund sein muss.

1. Ich hab doch kein Geld um anzufangen

Bezeichnender Weise geht es in der heutigen Zeit, kaum das von einem Projektstart gesprochen wird, um dessen Finanzierung. Normalerweise ist dies ja auch nicht verkehrt doch gerade in dem Fall von Transition soll ein anderer Weg gegangen werden. Gerade in der Gründungsphase, in der es im Großen und Ganzen darum geht die Thematik bekannt zu machen ist die Hauptinvestition, die die Gründer zu tätigen haben – Zeit. Leider ist es in nahezu 100% der Fälle auch so, dass Investoren (oder auch einfach Geldgeber) häufig die Eigenschaft haben Dinge in die von Ihnen gewünschte Richtung zu lenken. Dies ist dem Transition Gedanken sehr abträglich und würde das Projekt schon im Ansatz weg vom eigentlichen Gedanken tragen. Wenn Geld benötigt wird sollte sich das Projekt selbst finanzieren, d.h. aus Spendeneinnahmen durch Vorträge oder im weiteren dann durch den Verkauf von Nahrungsmitteln oder Energie. Wenn man in die Zukunft denkt, kann man sich bestimmt einzelne Projekte vorstellen, die ohne Bezuschussung nicht laufen würden (Solaranlagen o.ä.) aber diese sollten aus der Gemeinschaft heraus entstehen und nicht durch Investoren, die die Gründungsphase mit ihrem Geld bestimmen.
Es ist erstaunlich, wie viel der Einsatz und die Begeisterung, die die Gründer an den Tag legen bewirken können auch ohne dass auch nur ein einziger Cent ausgegeben oder eingenommen wurde.

2. Man wird uns Steine in den Weg legen oder gleich Aktionen verbieten

Wenn ich an Umweltschützer denke, fallen mir zwangsläufig die medienwirksamen Aktionen von Greenpeace (z.B. Verhinderung der Versenkung der Brent Spar o.ä.) ein, die unter enormen Aufwand durchgezogen wurden und denen ordentlich Steine in den Weg gelegt wurden, wenn nicht sogar Aktionen polizeilich verhindert wurden. Jetzt kann man durchaus auf den Gedanken kommen, dass Aktionen die viel kleiner sind aber trotzdem erfolgreich gleich umso mehr Probleme bereiten können und die „Hüter des Gesetzes“ auf den Plan rufen. Sei es ausgelöst durch irgendwelche Amtsinhaber bei der Stadt oder Land oder auch durch große Konzerne, die sich „auf den Schlips getreten“ fühlen, weil z.B. Bauern jetzt kein gentechnisch verändertes Saatgut kaufen sondern sich ihr Saatgut selbst herstellen. Ich glaube gerade in der Anfangsphase wird es eher das Problem geben, dass einen keiner kennt und man ja sowieso nur absolut lokal agiert. Da der Ansatz ja darin besteht ein „Bottom-Up“ Prinzip zu praktizieren liegt es in der Natur der Sache, dass es viele einzelne „Miniprojekte“ gibt, die nahezu unmöglich zu torpedieren sind von einzelnen Institutionen. Es mag sein das das eine oder andere Projekt bei Einzelnen auf Unmut stößt doch die Initiative im Ganzen wird dies nicht zu Fall bringen.

3. Aber es gibt doch schon so viele andere „Ökogruppen“

Da gibt es den Biobauern, der seine paar Kartoffeln streng biologisch anbaut. Der Milchbauer im Nachbardorf, der seine Produkte in seinem Hofladen vertreibt, die Schafzucht nebenan, die ein paar Produkte lokal anbietet und die Gruppe Solarenthusiasten, die sich eine Solaranlage auf ein Hallendach haben montieren lassen. Es mag ein Einwand sein, wenn man sich sagt nicht noch einen Umweltverein gründen zu wollen um den „Anderen“ nicht das Revier streitig zu machen. Vielleicht ist ja auch gerade das die Chance der Transition Initiativen, sich nicht ein konkretes Projekt auszusuchen und darauf hin zu arbeiten sondern alles Mögliche innerhalb des „Big Picture“ aufgreifen zu können. Gerade eine Transition Initiative kann bestehende Gruppen miteinander vernetzen, Synergien schaffen und alles unter ein größeres Ganzes stellen. Im Prinzip sind bestehende Naturschutzgruppen oder „Ökovereine“ das beste was passieren kann, denn diese Leute wissen meist schon warum es sich lohnt bzw. notwendig ist die Natur zu schützen und seine Lebensweise kritisch zu hinterfragen. Vielleicht kann die Transition Initiative frischen Wind in bestehende Gruppen bringen, die schon lange bestehen und vielleicht auch die einen oder anderen Ermüdungserscheinungen zeigen.

4. Für Energiewende und Umwelt interessiert sich doch keiner

Menschen leben ihr Leben und oft dreht es sich in der Regel innerhalb der Ecken Bett, Arbeit, Supermarkt und Fernseher hin und her. Meist eintönig, da die Arbeit keinen Spaß macht, Konsum nur eine kurze Befriedigung schafft und man die innere Leere mit Fernsehen aufzufüllen versucht bzw. es schon so weit ist, dass man gar nicht mehr mitbekommt, dass Fernsehen einem nur den Kopf ausschaltet, damit man nicht nachdenkt. Ich denke, dass es unglaublich viel Potential gibt und wenn man die Menschen einmal aufgeweckt hat sie durchaus große Energien freisetzen können da es endlich mal ein Ziel gibt auf das man zugehen kann und nicht in seinem kleinen Kreis gefangen ist. Wenn es aber keinen gibt, der jemanden auf die Problematiken aufmerksam macht wird es keinen geben der aus seinem sich drehenden Kreis ausbrechen kann. Gerade deswegen ist es notwendig loszugehen und die Leute zu informieren, meist braucht man sich dann nicht mal mehr zu animieren denn sie kommen alleine und wollen selbst tätig werden. Gerade die Grundgedanken der Transition Initiative – lokale Nahrungsmittelproduktion, Stärkung des lokalen Handwerks und Rückbesinnung auf die lokale Kultur und deren Resultat, der Stärkung bzw. Wiederbelebung eines regionalen „Gemeinschaftsgefühls“ – wird bei vielen Menschen offene Türen einrennen. Wenn sie sehen, wie globale Problematiken, mit denen sie alltäglich zugedröhnt werden mit ihnen selbst zu tun haben und wie agiert statt reagiert werden kann, dann werden sie sich nicht uninteressiert sein sondern selbst das Heft in die Hand nehmen und tätig werden.

5. Angesichts der Problematik ist es sowieso zu spät um aktiv zu werden

Auch ein Punkt, den man so stehen lassen und der eine Transition Initiative zum Scheitern verurteilen könnte. Ich denke ein kleines Beispiel verdeutlicht, dass dem bei Weitem nicht so ist.

Stellt euch vor, ihr fahrt mit eurem neuen Wagen gerade mit satten 200km/h über die Autobahn und freut euch, dass es noch schneller gehen könnte aber ihr seid ja vernünftig und übertreibt es nicht. Ihr seid zu schnell um die kleinen Schilder am Rand zu sehen, die anzeigen, dass eine Baustelle direkt nach der nächsten Abfahrt besteht und abgefahren werden muss, da die Fahrbahn mit großen Betonklötzen versperrt wurde.

Die Abfahrt kommt, ihr seht die Betonwand und die Abfahrt – direkt nach einer Kurve. Was macht ihr? Bleibt ihr auf dem Gas stehen und fahrt entweder an die Wand (wird schon umfallen…) oder nehmt mit voller Geschwindigkeit die Ausfahrt? Oder aber bremst so gut wie es geht und hofft noch vor der Mauer zum stehen zu kommen bzw. die Abfahrt mit geringer Geschwindigkeit zu schaffen?

6. Ich hab doch von nichts ne Ahnung

Braucht man auch nicht! Das, was man braucht, ist eine positive Einstellung, darf kein Eigenbrödler sein und man sollte in seiner Gegend halbwegs Bescheid wissen. Mehr braucht es für den Anfang nicht um Transition ins Leben zu rufen. Fähigkeiten und Fertigkeiten für dieses und jenes kann man erlernen aber einen Hinderungsgrund stellt diese Problematik keinesfalls dar. Es muss einem klar sein, dass die Gesellschaft so wie sie sich zurzeit aufführt zwangsläufig gegen die Wand fährt. Wenn nicht jetzt dann auf jeden Fall in absehbarer Zeit. Wenn einem sein Umfeld am Herzen liegt und man nicht tatenlos zusehen kann, wie Leute unwissend einen destruktiven Pfad beschreiten, dann ist es nicht zweckmäßig auf die eigenen Unzulänglichkeiten zu schauen sondern sollte das Heft in die Hand nehmen und etwas tun.

7. Mir fehlt der Antrieb um solch ein riesen Projekt zu stemmen

Angesichts der Tatsache, dass es in seiner Gänze doch ein imposantes Projekt ist, ist es zweifelsohne nicht alleine zu schaffen. Dies muss aber auch nicht sein. Man wird nicht so ein Projekt alleine stemmen können und das soll man auch nicht, da es dem Gedanken von Transition widerspricht. Rob Hopkins plaudert immer ein wenig über seine Erfahrungen, die er gemacht hat über die Zeit und über die Gespräche, die er mit Energiewende Gründern geführt hat. Er erzählt immer von Hilfe, die jeder Einzelne bekommen hat genau dann wenn’s mal schwieriger wurde und die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Man muss immer nach dem Motto gehen, dass man aufhört sich die Frage zu stellen warum denn keiner etwas tut sondern selbst die Initiative zu ergreifen und zu sagen, Los geht’s! Packen wir’s an! Aus diesem Entschluss heraus entsteht viel Energie, die auch auf andere übergehen kann denn meist braucht es nur ein paar wenige Leute, die andere allein durch ihren Entschluss animieren selbst etwas zu tun. Ein Feuer zu entzünden mag manchmal schwierig sein aber wenn es einmal brennt kann man relativ problemlos ein sehr großes Feuerchen draus machen. Mit dem Wissen über Peak Oil und unserer Abhängigkeit von Erdöl im Hinterkopf sollte es ein leichtes sein die Energie aufzubringen, die nötig ist, allein für einen selbst.

Transition Serie:

Teil 1: Transition Town ein Modell der Zukunft
Teil 2: Transition – Was steckt dahinter?

Teil 3: Transition – 12 Schritte zu beschreiten
Teil 4: Transition – 7 Gründe gegen einen Start einer Initiative

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Free T-Mobile Phones on Sale | Thanks to CD Rates, Best New Business and Registry Software